[Blogroman] Kapitel 24

Kapitel 24
Alexia

Der nächste Schnitt zog sich einmal quer über meine Brust. Ich biss die Zähne zusammen und gab keinen einzigen Laut von mir. Ich trug nicht mehr als meine Unterwäsche. Ricardos dunkelbraune Augen starrten direkt in meine.

„Du bist stärker geworden, meine Schöne. Früher hättest du schon längst geschrien.“

Ich zwang ein Lächeln auf meine Lippen. „Du weißt nichts über mich.“

Seine Hand griff schmerzhaft fest nach meinem Kinn und er drückte meinen Kopf in den Nacken. „Oh doch, ich weiß alles über dich. Ich weiß, was du am liebsten isst. Ich weiß, dass du Angst vor Spinnen hast. Und“, er beugte sich ganz nah an mein Gesicht heran. Unsere Lippen berührten sich fast. „Ich weiß, wie deine Fotze schmeckt.“

Ich spuckte ihm ins Gesicht. „Bastard!“

Er knurrte und schlug mir mit der Faust ins Gesicht. Schmerz explodierte in meinem Kiefer und strahlte von dort in mein ganzes Gesicht aus. Trotzdem lachte ich. Direkt in seine verhasste Visage.

Das brachte mir einen langen Schnitt über meinen Oberschenkel ein. Die Haut glitt auseinander, Blut quoll hervor. Wieder verkniff ich mir jegliches Geräusch, obwohl der Schmerz brutal war. Ich würde lieber sterben, als ihm diese Genugtuung zu gönnen. Dieser Mistkerl würde nie wieder etwas von mir bekommen.

Ich war jetzt schon eine ganze Weile in dieser verlassenen Lagerhalle zusammen mit Ricardo eingesperrt. Draußen standen seine Bodyguards und sorgten dafür, dass uns niemand störte.

„Weißt du“, sinnierte Ricardo und ließ sich mir gegenüber in einen Stuhl sinken, „ich habe lange darüber nachgedacht, was ich mit dir tun würde, sobald ich dich wieder bei mir haben würde.“

Ich ignorierte ihn und machte stattdessen eine Bestandsaufnahme meiner Situation. Ich blutete aus gut einem Dutzend Wunden. Vermutlich war eine Rippe geprellt, denn ich hatte starke Schmerzen beim Atmen. Meine komplette linke Gesichtshälfte war ein einziges schmerzhaftes Pochen. Aber es gab auch einen Lichtblick. Anders als Raphael war Ricardo weitaus weniger gründlich gewesen, als er mich nach Waffen durchsucht hatte. Deswegen trug ich dankeswerterweise auch noch immer das lederne Armband, das mir dabei helfen würde meine Handschellen zu knacken.

Meine Hände waren gefesselt und ich hing wie ein Stück Fleisch an einer langen Kette, die von der Decke baumelte. Meine Schultern brannten wie die Hölle, da ich mit den Zehenspitzen nur ganz leicht den Boden berühren konnte. Ich brauchte nur ein bisschen Ruhe und Geduld, damit ich die Handschellen öffnen konnte.

„Ich habe viele Nächte damit verbracht mir vorzustellen, wie deine Schreie wohl klingen würden.“ Er strich sich mit der Hand übers Kinn. „Leider musst du mich erneut enttäuschen, indem du mir auch dieses Vergnügen verwehrst.“ Er stand wieder auf. Das Licht der Baustellenlampen reflektierte sich auf der Klinge des Messers, das er hielt. „Da werde ich mir wohl mehr Mühe geben müssen.“

Er setzte die Spitze der Klinge direkt zwischen meinen Brüsten an. Er drehte das Messer und es bohrte sich Millimeter für Millimeter in meine Haut. Der Schmerz trieb mir die Tränen in die Augen. Es war ein langsames, stetiges Brennen, das in meinen ganzen Körper ausstrahlte. Als die Klinge mein Brustbein berührte, hätte ich beinahe geschrien. Aber eben nur beinahe.

Ich hatte in den Jahren beim Kampftraining viel gelernt. Konzentration war der Schlüssel zu allem. Ich musste mich nur auf meine Atmung konzentrieren. Also öffnete ich die Lippen und sog die Luft tief in meine Lungen, hielt sie fest und ließ sie langsam wieder entweichen. Dann fing ich Ricardos Blick auf.

„Weißt du, was ich mir all die Jahre vorgestellt habe?“, fragte ich mit leiser Stimme.

Überraschung zeichnete seine Züge. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ich noch zu Gesprächen aufgelegt war. „Was, meine Schöne?“

„Ob du wohl genauso dämlich aus der Wäsche gucken würdest, wie dein beschissener Sohn, wenn ich dir eine Kugel in den Kopf jage.“

Der Faustschlag traf mich direkt in die Magengrube. Zu schnell als dass ich noch die Muskeln hätte anspannen können, um die Wucht des Schlags abzufangen. Ich keuchte. Die Luft wurde mir aus den Lungen getrieben und ich konnte mich gerade noch davon abhalten ihm vor die Füße zu kotzen.

„Ich werde dich dafür büßen lassen, was du meinem Sohn angetan hast!“, schrie er mich an.

„Zeig mir, was du drauf hast, Bastard!“

Der nächste Schlag ließ mich Sterne sehen, aber dafür hielt ich jetzt den kleinen Diedrich in der Hand, der mich in die Freiheit führen würde.

 

Raphael

Als ich vor dem Clubhaus der Secret Saints vorfuhr, wurde ich bereits erwartet. Ich starrte die mickrigen Wichser an. Ich würde jeden von ihnen umbringen, wenn sie Alexia auch nur angefasst hatten.

Zuerst hatte ich überlegt, ob ich mich versteckt halten oder mich zuerst in Ruhe umsehen sollte, aber das würde nur Zeit verschwenden und die hatte Alexia vermutlich nicht. Und ich würde ihr Leben nicht noch mehr in Gefahr bringen.

Also spazierte ich jetzt in ein altes, heruntergekommenes Haus voller Biker, die mich umbringen wollten. Mitten in der Eingangshalle stand ein muskulöser Kerl, voller Tattoos, und richtete eine Waffe auf mich.

„Sanders“, sagte ich.

Der Präsident der Saints breitete die Arme aus und sah mich lächelnd an. „Archangel. Ich freue mich sehr dich zu sehen.“

Ich sah mich um. Auf der Galerie standen Männer, genauso wie in der Eingangshalle selbst. Ich sah Pistolen, Schlagstöcke, Ketten und Baseballschläger. Aber keine Alexia.

„Wo ist sie?“

„Wer?“, fragte Sanders gut gelaunt.

„Du weißt genau, wen ich meine.“

„Oh, deine kleine Freundin?“ Er grinste und machte einen Schritt zur Seite, gab den Blick auf einen einfachen Holzstuhl frei, der hinter ihm stand. „Sie ist nicht hier.“

Ich zog die Waffe, bevor ich die bewusste Entscheidung darüber getroffen hatte. „Wo ist sie?“ Meine Stimme glich einem Knurren. Meine Haut glühte förmlich vor Zorn. Alles, woran ich denken konnte, war Alexia.

„Weißt du, vor einiger Zeit kam dieser Kerl zu mir. Ricardo Fontana. Sagt dir der Name was?“

Mein Nacken begann ungut zu prickeln. Natürlich kannte ich den Kerl. Er war ein Drogenboss, Waffen- und Menschenhändler, hatte Verbindungen zur Mafia und hatte eine aufstrebende politische Karriere vor sich. Er war so ziemlich der letzte Kerl, mit dem ich mich anlegen wollte. Was zum Teufel wollte der von Alexia?

„Er hatte ein irgendwie perverses Interesse an der Kleinen. Er gab mir verdammt viel Geld, damit wir den Mittelsmann spielen und sie aus dem Versteck locken.“ Er tippte sich mit dem Lauf der Waffe ans Kinn, als müsste er nachdenken. „Inzwischen sollten die beiden zusammen die Stadt verlassen haben.“

„Nein!“, keuchte ich. Das durfte nicht wahr sein! Sie durfte nicht weg sein. Das konnte nicht …

„Oh doch. Und jetzt gehörst du mir.“

Jemand trat hinter mich, doch bevor ich reagieren konnte, prallte etwas gegen meine Schläfe und die Welt wurde dunkel.

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