[Blogroman] Kapitel 18

Kapitel 18
Alexia

Als ich das Geräusch von Zanes sich entfernender Maschine hörte, streifte ich das Handtuch ab, zog mir Leggins und Tanktop an und verließ mein Zimmer. Ich starrte auf sein Bett und mein Kopf spielte mir dankeswerter Weise die letzten Szenen noch einmal vor. Warum hatte er meine Wunden versorgt?

Ich war jetzt neunzehn Jahre alt und öfters verletzt worden, als ich mich erinnern konnte und dennoch hatte mir noch nie jemand dabei geholfen meine Wunden zu versorgen. Ich hatte nicht gewusst, wie ich mit dem warmen Gefühl in meiner Brust umgehen sollte, deswegen hatte ich ihn gefickt. Aber das hatte alles nur noch schlimmer gemacht. Denn der Sex war sanft gewesen, beinahe liebevoll. Und wie ich damit umgehen sollte, wusste ich nun wirklich nicht. Wo hatte ich mich da nur reingeritten? Wieso hatte ich nicht einfach Luars erste Rate genommen und war verschwunden? Das hätte mir vieles erspart.

Mein Blick fiel auf die graue Sweatjacke, die Zane getragen hatte. Aus einem Impuls heraus streifte ich sie mir über. Sein Duft füllte meine Lungen, als ich nach unten ging. Auf der Anrichte in der Küche fand ich einen Zettel.

Bin im Clubhaus. Wird spät.

Ich starrte die Notiz eine Weile an, bevor ich leise seufzte und mir eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank nahm. Ich entdeckte die Reste unserer Pizza und erwärmte mir zwei Stücke in der Mikrowelle. Ich aß mit der Hüfte an die Anrichte gelehnt und starrte dabei durch das Fenster nach draußen. Wir befanden uns außerhalb der Stadt und alles, was ich sehen konnte waren Bäume. Zanes Haus war weit entfernt von jeglicher Zivilisation. Selbst das Clubhaus war ein Stück weit weg. Wenn ich nach draußen ging und mich zu weit vom Haus entfernte, dann würde mich mein schrecklicher Orientierungssinn vermutlich in die Irre führen und ich würde nie wieder zurückfinden. Ich war eine ausgezeichnete Söldnerin, aber eine absolute Niete wenn es um Orientierung ging.

Und genauso eine Niete war ich, wenn es um Gefühle ging. Deswegen durfte ich mich auch nicht von diesem warmen Gefühl in meiner Brust ablenken lassen, das ich immer spürte, wenn Zane mich anlächelte. Oder wenn er mich berührte. Oder wenn er mich zum Lachen brachte. Dafür gab es in meinem Leben keinen Platz. Hatte es nie gegeben und würde es auch nicht geben. Ich tat besser daran, wenn ich das nie vergaß.

Und genau deswegen musste ich dieses dämliche Gefühl jetzt abstellen und mich auf das konzentrieren, weswegen ich eigentlich hier war.

Ich war allein in Zanes Haus. Es war an der Zeit, dass ich mir mein Geld verdiente.

 

Ein paar Stunden später hatte ich eine Liste mit Bankkonten plus der passenden Zugangsdaten, Namen der Leute, welche die Angels mit Waffen oder Drogen versorgten und sogar ein paar Adressen, die ich für geheime Verstecke hielt. Luar würde wahrscheinlich einer abgehen, wenn er das hier sah. Und ich könnte meinen Auftrag sofort beenden, wenn ich ihm die Informationen gab.

Allerdings verkrampfte sich mein Magen auf ganz ungute Art und Weise, wenn ich daran dachte, dass Luar sie an die Secret Saints weitergeben würde. Und ich musste mich nicht einmal besonders anstrengen, um mir vorzustellen, was der verfeindete MC mit den Informationen anfangen würde.

Ich saß auf der Couch, starrte mein Handy an und überlegte, was ich als nächstes tun sollte. Ich hatte die Informationen, die ich über die Angels gefunden hatte, auf einem passwortgeschützten Server hinterlegt, von dem niemand außer mir wusste. Jetzt musste ich mich nur noch entscheiden, was ich damit anfangen wollte.

Ich schnaubte genervt und griff nach dem Handy. Wem wollte ich eigentlich etwas vormachen? Ich war eine Söldnerin. Und wie Zane so schön gesagt hatte, gab es nur zwei Gründe, warum ich hier war. Er wollte mich ficken und ich hatte einen Auftrag zu erfüllen.

Ich wählte Luars Nummer und hinterließ ihm eine Nachricht, dass ich ihn sehen wollte. Dann stand ich auf, holte mir eine Flasche Vodka aus dem Gefrierfach, und ließ mich volllaufen.

 

Ich bewegte mich. Dabei konnte ich mich nicht darin erinnern, meinen Muskeln den Befehl dazu gegeben zu haben. Das Letzte, an das ich mich erinnern konnte, war die halb leere Vodkaflasche und die Couch. Ich hatte mich hingelegt, weil mir schlecht gewesen war und danach nichts. Blackout. Warum also schien ich mich jetzt zu bewegen?

Ich versuchte meine Augenlider zu öffnen und ein Geräusch von mir zu geben. Sollte mich jemand gefunden haben? Sollte meine Vergangenheit mich eingeholt haben? Würde ich jetzt sofort die Konsequenzen dafür tragen müssen, dass ich ein einziges Mal unachtsam gewesen war?

Ich fing an mich zu wehren. Oder versuchte es zumindest. Denn ich konnte weder die Augen richtig öffnen, noch schienen meine Arme und Beine zu funktionieren, wie ich es mir vorstellte.

„Shh, baby girl. Alles ist gut.“

Ich kannte die Stimme. Das war Zane.

„Wo bin ich?“, murmelte ich und hoffte, dass die Worte klar genug herauskamen, dass er mich verstehen konnte.

„Zuhause. Du bist unten auf der Couch eingeschlafen. Ich bringe dich jetzt ins Bett.“

Hm. Das klang logisch.

„Okay“, nuschelte ich.

Kurz danach nahm ich entfernt wahr, dass ich abgelegt wurde.

„Du musst noch etwas wach bleiben, Jane.“

Wach bleiben? Wieso sollte ich das tun? Ich war so unglaublich müde. Außerdem war mir schlecht und mein Kopf tat weh.

„Mein Name ist nicht Jane“, murmelte ich und rollte mich auf den Rücken. Licht flammte am Rande meines Blickfeldes auf und sofort kniff ich die Augen wieder zusammen. Ich blinzelte mehrmals und versuchte zu ignorieren, dass die Helligkeit ein Loch in meinen Schädel brannte. Eine dunkle Silhouette beugte sich über mich.

„Wie lautet dein Name?“

Ich öffnete bereits den Mund, um ihm zu sagen, wie ich hieß, aber im letzten Moment erinnerte mich mein Bauchgefühl daran, dass das keine gute Idee war. Ich wusste im Moment zwar nicht wieso, aber ich vertraute meinem Bauchgefühl.

„Geht dich nichts an“, nuschelte ich und drehte den Kopf weg.

Ich meinte so etwas wie ein Seufzen zu hören, dann verschwand die dunkle Silhouette und ich war alleine mit dem Pochen in meinem Schädel beschäftigt. Ich war gerade dabei wieder einzunicken, als jemand mit sanfter Hand meinen Nacken umfing und meinen Kopf anhob.

„Hier, trink das, baby girl.“

Ich presste die Lippen zusammen. Als ob ich einfach irgendetwas trinken würde, was man mir an die Lippen hielt. Da war wieder dieses Seufzen.

„Trink das jetzt. Ich verspreche dir, dass ich dich nicht vergiften will.“

Ich sah mit zusammengekniffenen Augen zu Zane hoch. „Und wenn doch?“

Lag das an meinem alkoholbenebelten Verstand oder sah Zane ziemlich genervt aus?

„Wenn das hier giftig ist, darfst du mir morgen früh in die Eier treten okay?“

Das klang fair. Ich öffnete den Mund und ein Glas wurde mir an die Lippen gehalten. Kühle Flüssigkeit mit einem leichten Zitronengeschmack strömte über meine Zunge. Schließlich nahm Zane mir das Glas wieder weg und bettete meinen Kopf zurück auf das Kissen.

„Jetzt schlaf.“

Ich drehte mich auf die Seite und kuschelte mich in das Bettlaken. Aber bevor ich endlich wieder einschlafen durfte, musste ich Zane noch etwas sagen, dass mir auf dem Herzen lag.

„Hör auf mich herumzukommandieren, Arschloch.“

Ich war mir nicht sicher, ob er mich verstanden hatte, aber sein raues Lachen war das letzte, was ich hörte, bevor ich einschlief.

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