[Blogroman] Kapitel 14

Kapitel 14
Raphael

Ich beobachtete, wie Jane, ich musste wirklich mal herausfinden, wie sie wirklich hieß, in der offenen Küche stand und uns das versprochene Frühstück zubereitete. Die Kette hatten wir im Gästezimmer gelassen, ebenso wie ihre Kleidung. Nach einer Dusche trug sie Boxershorts und ein T-Shirt von mir.

„Verrate mir deinen Namen“, sagte ich in die überraschenderweise angenehme Stille hinein, während ich das Phönixtattoo auf ihrem rechten Bein betrachtete. Es war in satten Rot- und Orangetönen mit ein wenig Gold gestaltet und schmiegte sich perfekt an ihren Körper.

Sie schaltete den Herd aus, schnappte sich zwei Teller und stellte sie auf der Anrichte ab, an der ich saß. „Jane“, antwortete sie, während sie sich mir gegenüber setzte.

„Das ist eine Lüge und das wissen wir beide.“

Sie zuckte mit den Schultern. „Wir haben Sex und ich erledige einen Job für dich. Wofür brauchst du einen Namen?“

Ich biss von dem Sandwich ab, bevor ich antwortete. „Ich will ihn wissen.“

Sie besaß die Dreistigkeit mich anzugrinsen. „Wir bekommen nicht immer, was wir wollen, Archangel.“

Ich schüttelte den Kopf, stand auf und ging zum Couchtisch, wo mein Handy lag. Dort schickte ich Spades eine Nachricht, dass er noch ein paar Quellen anzapfen sollte, um mehr über meinen Gast herauszufinden. Irgendwo musste es doch etwas über sie geben. Danach kehrte ich zum Frühstück zurück.

„Was hast du gemacht?“

Ich deutete mit der Gabel auf sie und grinste breit. „Wir haben Sex und du erledigst einen Job für mich. Dafür brauchst du nicht zu wissen, was ich gerade getan habe.“

„Gott, du bist so ein Arschloch.“ Dennoch zuckte es um ihre Mundwinkel.

Ich schob den leeren Teller von mir und legte die Unterarme auf die Anrichte. „Also, wie lautet der Name des Auftraggebers? Wenn du mir deinen schon nicht verraten willst.“

Sie hob eine Braue und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich sehe noch kein Geld, Archangel. Vorher bekommst du gar nichts von mir.“

Ihre Attitüde gefiel mir gar nicht und kurz spielte ich mit dem Gedanken sie wieder ans Bett zu fesseln. Aber wir hatten einen Deal und ich stand zu meinem Wort.

„Außerdem muss ich zu meinem Bike.“

„Du verlässt das Haus nicht ohne meine Aufsicht.“

„Wie süß, ich habe einen Babysitter“, antwortete sie sarkastisch.

Ich ignorierte ihren Kommentar. „Was willst du überhaupt mit deinem Motorrad?“

„Du zwingst mich ja bei dir zu wohnen. Also sollte ich meine Sachen holen, oder nicht?“

Ich nickte. „In Ordnung. Aber ich werde dich begleiten.“

„Wenn es dich glücklich macht“, seufzte sie. Sie glitt von dem Barhocker und ging in Richtung der Treppe.

„Wo willst du hin?“, rief ich ihr hinterher.

Schnaubend blieb sie stehen. „Ehrlich jetzt? So soll das die nächste Zeit laufen?“ Sie schüttelte den Kopf. „Du musst mal an deinem Kontrollzwang arbeiten, Zane.“

Damit ließ sie mich stehen und verschwand nach oben. Da ein Alarm auf meinem Handy mir mitteilen würde, falls ein Fenster geöffnet wurde und es nur einen Ausgang gab, blieb ich gelassen und ging ins angrenzende Wohnzimmer. Dort schickte ich Chirurg, dem IT-Spezialisten des MC, eine Nachricht, dass er seinen Arsch zum Clubhaus bewegen sollte. Denn ich würde Red Reaper bestimmt nicht ohne Peilsender verschwinden lassen.

Danach ging auch ich nach oben und zog mir Jeans und meine Kutte an. Das vertraute Gefühl des Leders beruhigte mich, wie es sonst nichts in dieser Welt vermochte. Es fühlte sich an, als wäre ich geboren worden, um eine Kutte zu tragen. Es hatte sich so angefühlt, als ich sie zum ersten Mal angezogen hatte und daran hatte sich bis heute nichts geändert.

Jane kam aus dem angrenzenden Zimmer. „Können wir los?“

Ich bedeutete ihr voran zu gehen. „Klar.“

 

Kurze Zeit später hielten wir vor dem Clubhaus und Jane steuerte direkt auf ihr Bike zu. Ich schnappte mir ihr Handgelenk und zog sie ins Innere der Scheune.

„Was soll das?“ Sie entriss mir ihr Handgelenk und verschränkte missmutig die Arme.

„Ich muss noch kurz was erledigen. Danach kümmern wir uns um deine Sachen.“

Wie aufs Stichwort tauchte Spades hinter der Theke auf und gesellte sich zu uns. „Du wirst oben erwartet, Archangel.“

Ich sah Jane an. „Du bleibst bei ihm. Und denk an unseren Deal. Keine krummen Dinger.“

Sie zeigte mir den Mittelfinger und ich ließ sie grinsend stehen.

Ich betrat mein Büro und Chirurg saß bereits auf einem der Besucherstühle. Sein kahlrasierter Schädel war mit irgendwelchen technischen Tattoos bedeckt, die ich nicht einmal im Ansatz verstand. Die schwarze Tinte hob sich nur geringfügig gegen seine dunkle Haut ab.

„Hey, Chirurg.“ Ich pflanzte mich hinter meinen Schreibtisch.

„Was kann ich für dich tun, Archangel?“

Ich zog Janes Handy aus der Hosentasche und warf es ihm rüber. Chirurgs geschickte Finger fingen es auf.

„Kannst du die Sperre umgehen und dich darin mal umsehen?“

Er sah mich mit amüsiertem Blick an. „Nein, tut mir leid. Spontan haben mich all meine Fähigkeiten verlassen.“

Ich rollte mit den Augen. „Durchsuch das Ding einfach und installier dann einen Peilsender.“

Chirurg nickte. „Wann brauchst du es zurück?“

„So schnell wie es geht.“

„Ich bring es dir heute Abend vorbei.“

„Gut. Viel Spaß damit!“ Ich verließ mein Büro wieder, um Jane unten bei Spades abzuholen und fand die beiden an der Theke.

Spades entdeckte mich und zog einen Autoschlüssel aus der Hosentasche, den er mir zuwarf. Jane sah zwischen uns beiden fragend hin und her.

„Wofür war das?“

„Wir nehmen ein Auto zu deiner Wohnung.“

„Hotel“, korrigierte sie mich.

„Du wohnst in einem Hotel?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich habe keine Wohnung.“

Ich runzelte die Stirn, ging aber nicht weiter auf das Thema ein.

„Lass uns gehen“, sagte ich zu ihr und sie glitt vom Barhocker.

Spades fing meinen Blick auf. „Wir müssen uns nachher mal unterhalten.“

Meine Muskeln spannten sich an und für einen Augenblick umklammerte ich den Schlüssel so fest, dass er mir in die Handflächen schnitt. Aber dann zwang ich mich zur Entspannung, denn ich spürte Janes neugierigen Blick auf mir. Wir hatten jetzt zwar einen Deal, aber ich konnte mir nicht sicher sein, wo ihre Loyalität lag. Im Moment war ich vielleicht der Höchstbietende, aber das konnte sich auch schnell wieder ändern. Deswegen auch der Peilsender. Ich wollte das Risiko von ihr beschissen zu werden so gering wie möglich halten.

Außerdem wusste ich ja nicht, worüber Spades mit mir reden wollte. Vielleicht war es ja auch ganz harmlos. Allerdings erzählte der düstere Ausdruck in den Augen meines Kumpels eine andere Geschichte.

Ich sah Jane an. „Lass uns deine Sachen holen.“

 

Ich hatte Jane die Waffen abgenommen, die sie aus dem Hotel geholt hatte, sobald wir wieder bei mir zuhause gewesen waren. Es war eine Sache ihr die Kette abzunehmen und sie frei herumlaufen zu lassen, aber ich würde ihr dabei nicht auch noch ein Mordwerkzeug in die Hand drücken.

„Wann kriege ich mein Handy zurück? Ich hab schließlich einen Auftrag zu erledigen.“ Sie saß auf meiner Couch, eine Flasche Bier in der Hand und die Füße auf meinem Couchtisch. Sie schien sich verdammt wohl zu fühlen und irgendwie passte mir das gar nicht.

„Heute Abend. Zusammen mit deinem Geld.“

Ich ging auf sie zu und blieb neben der Couch stehen. „Und jetzt steh auf.“

„Wie bitte?“

„Du hast mich schon verstanden.“

Ich konnte an ihrem Gesicht ablesen, dass sie die Situation verunsicherte, aber das interessierte mich nicht. Sie war hier in meinem Haus. Unter meiner Kontrolle. Mein Wort war Gesetz.

Langsam stellte sie die Bierflasche beiseite und erhob sich, dabei behielt sie mich ganz genau im Auge. „Zieh dein Shirt aus.“

Als sie begriff, worauf ich hinauswollte, fing sie an zu grinsen. „Typisch Mann. Warum denkst du, dass wir wieder Sex haben werden?“

Ich ging weiter auf sie zu, zwang sie dazu zurückzuweichen. „Es gibt genau zwei Gründe, warum du hier bist.“

„Ach ja?“ Sie bewegte sich im gleichen Rhythmus rückwärts, wie ich auf sie zuging.

„Ja.“ Ich zog meine Pistole hinten aus dem Bund der Jeans und warf sie auf die Couch. „Grund Nummer Eins“, ich hielt einen Finger hoch, „der Auftrag. Grund Nummer Zwei“, ich fügte einen zweiten Finger hinzu, „ich will dich ficken.“

„Du sagst die romantischsten Dinge, Archangel.“

„Sarkasmus wird dir auch nicht helfen.“ Ich grinste sie an. „Und jetzt weg mit dem Shirt.“

Sie griff nach dem Saum und im nächsten Moment trug sie nur noch Jeans und BH. Mein Blick glitt über ihren trainierten Körper. Ich konnte deutlich die Muskeln erkennen, die ich ja bereits mehrfach zu spüren bekommen hatte. Allerdings war sie trotzdem an allen wichtigen Stellen weich und einladend. Ein faszinierender Kontrast.

„Die Jeans.“ Ich nickte in Richtung des Kleidungsstücks. Ich beobachtete, wie sie aus der Hose stieg und jetzt nur noch ihre Unterwäsche trug. Endlich schloss ich die letzte Distanz zwischen uns und fing ihren Körper zwischen mir und der Wand ein. Ihr warmes Fleisch drückte sich an mich und ich ließ die Hände zu ihrem Rücken gleiten, um den BH zu öffnen. Er gesellte sich zum Rest ihrer Kleidung, bevor auch der Slip folgte.

„Ich habe das leichte Gefühl, dass hier ein gewisses Ungleichgewicht bezüglich der Kleidung herrscht“, murmelte sie, während sie die Arme um meinen Hals legte.

Ich griff nach ihren Oberschenkeln und hob sie hoch, zwang sie die Beine um mich zu legen. Ich konnte ihre Hitze selbst durch den Stoff meiner Jeans spüren.

„Und was willst du dagegen tun?“

Ihre Hände strichen über meine Oberarme, glitten über das Leder der Kutte und zogen mich daran näher zu ihr. „Eine neue Wette?“ Sie leckte sich über die Lippen. „Wer als erster einen Orgasmus hat, verliert.“

Ich konnte ein Grinsen nicht zurückhalten. Langsam fing diese Frau an mir zu gefallen. „Der Wetteinsatz?“

„Derjenige, der gewinnt, hat beim nächsten Mal das Kommando.“

Ich starrte auf ihre Lippen. „Einverstanden.“

Dann eroberte ich ihren Mund.

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