[Blogroman] Kapitel 11

Kapitel 11
Raphael

Ich rieb mir mit einem Handtuch über die nassen Haare, bevor ich in graue Sweatpants schlüpfte. Wie von selbst glitt mein Blick zu der zweiten Tür in meinem Schlafzimmer. Es war jetzt schon einige Zeit her, dass ich sie darin zurückgelassen hatte und bis jetzt war es mucksmäuschenstill geblieben. Der einzige Grund, warum mich das nicht in Panik versetzte, war, dass ich sie durchsucht hatte und sich in dem Zimmer nichts Brauchbares zur Flucht finden würde. Was mir allerdings tatsächlich ein wenig Sorgen bereitete, war, dass ich immer noch nicht wusste, wer sie angeheuert hatte, denn ich bezweifelte, dass sie sich aus eigenem Antrieb bei mir eingeschlichen hatte.
Dann würde ich es eben aus hier herauskriegen müssen. Leider hatte ich tatsächlich so etwas wie eine gute Erziehung genossen, weswegen ich sie nicht schlagen oder ihr in sonstiger Weise körperliche Schmerzen zufügen konnte. Ich würde mir also etwas anderes überlegen müssen.
Auf leisen Sohlen ging ich zu der angrenzenden Tür und machte sie schwungvoll auf. Die Frau, die im Schneidersitz mitten auf dem Bett saß, zuckte nicht einmal zusammen, sondern starrte weiter aus dem Fenster. Sie trug noch immer ihre Lederjacke. Aber sie hatte ja auch keine Möglichkeit sie ausziehen.
Ich ließ mich in den Sessel in der linken Ecke des Raumes gleiten und starrte sie an, während sie mich vollkommen ignorierte.
„Wer hat dich angeheuert?“
Keine Reaktion.
„Wie lautet dein richtiger Name?“
Stille.
„Du willst nicht mit mir reden?“
Ich wurde noch immer ignoriert. Schulterzuckend stand ich auf und ging in Richtung Tür. „Dann wünsche ich eine angenehme Nacht.“
Kurz bevor ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, erklang ihre Stimme.
„Zane.“
Ich hielt inne und warf einen Blick über meine Schulter. Sie saß noch genauso da wie vorher, nur dass ihr Blick jetzt auf mich gerichtet war.
„Ja?“
„Was bietest du mir, wenn ich dir den Namen meines Auftraggebers liefere?“
Grinsend drehte ich mich um und ließ mich wieder auf dem Sessel nieder. Ihr Blick glitt über mich. Von dem Ride Fast Tattoo auf meinen Fingern, über das Tribal auf meinem rechten Arm, das sich bis auf den Brustmuskel erstreckte, und den Flammen auf meinem linken Unterarm, bis hin zu dem Totenschädel auf meiner rechten Halsseite.
„Es gibt also einen Auftraggeber.“
Sie nickte.
„Gib mir den Namen und ich lass dich gehen.“
Sie lachte und es war ein überraschend sanfter, femininer Laut. Nicht, dass ich sie bis jetzt nicht als Frau wahrgenommen hatte, aber sie war einfach so unglaublich taff.
„Für wie blöd hältst du mich eigentlich?“
Stimmt. Ich würde sie nicht gehen lassen. Jedenfalls nicht einfach so.
„Ich werde dich nicht töten. Wie wäre es damit?“
„Ich habe keine Angst vor dem Tod.“ Ihre Stimme klang dabei so sachlich als würde sie über das Wetter sprechen. Ich runzelte die Stirn. Selbst ich fürchtete mich ein wenig vor dem Tod. Wer wusste schon, was einen auf der anderen Seite erwartete?
Aber diese Frau? Sie schien wirklich keine Angst zu haben und das beunruhigte mich. Meiner Meinung nach hatten nur Psychopathen keine Angst vor dem Tod.
„Was willst du dann für deine Information?“
„Geld. Viel Geld. Die erste Hälfte, wenn wir uns einig sind. Die zweite, wenn ich den Deal ausgeführt habe. Dafür lasse ich meinen ursprünglichen Auftraggeber ins Messer laufen und du lässt mich gehen.“
„Keine Loyalität?“ Ich hasste das. Mein Leben, alles wofür ich stand, beruhte auf dem Wissen, dass ich mich auf meine Brüder aus dem MC verlassen konnte. Egal, was passierte.
Sie hob gleichgültig eine Schulter. „Ich bin immer dem gegenüber loyal, der mir am meisten zahlen kann.“
Ich verzog abfällig den Mund. „Keine besonders schätzenswerte Eigenschaft.“
Sie grinste mich an. „Sie gereicht dir doch gerade zum Vorteil, oder etwa nicht?“
Dagegen konnte ich allerdings nichts sagen. „Lass mich über deinen Vorschlag nachdenken.“ Ich erhob mich erneut, bis mir wieder einfiel, dass sie noch immer ihre gesamte Kleidung trug und bestimmt seit Stunden weder was getrunken noch gegessen hatte.
„Brauchst du noch was?“
Sie öffnete bereits den Mund, um mir wahrscheinlich zu sagen, wohin ich mir mein Angebot stecken konnte, aber dann hielt sie einen Moment inne und seufzte leise. „Ich würde gerne kurz auf Toilette gehen. Und danach hätte ich gerne eine Flasche Wasser. Wenn das nicht zu viel verlangt ist.“ Ihre Stimme troff vor Sarkasmus.
Ich ging zum Bett hinüber, hielt aber noch einen Moment inne, bevor ich die Handschellen löste. „Keine krummen Dinger, Süße. Verstanden?“
Sie lächelte mich süffisant an. „Hat der große böse Archangel etwa Angst vor mir?“
Knurrend griff ich nach ihrem Kinn und presste meinen Mund auf ihren. Ich zwang meine Zunge zwischen ihre Lippen und eroberte ihren Mund. Genau wie beim ersten Mal war auch dieser Kuss eher ein Kampf als sinnliches Zusammenspiel. Mit einer Hand hielt ich ihren Kopf fest und mit der anderen ihren freien Arm. Ihre Haut fühlte sich weich unter meinen Fingern an. Ihr zarter Duft nach Jasmin und Vanille flutete meine Sinne, sorgte dafür, dass ich sie vom Bett hochzog und an mich presste.
Jetzt drückte jede ihrer verführerischen Kurven gegen meine Muskeln und ich konnte meine beginnende Erektion an ihr reiben. Sie wehrte sich gegen mich. Oder versuchte es zumindest. Aber ich war eindeutig im Vorteil und nutzte es schamlos aus.
Mit der Zunge glitt ich über ihre Unterlippe und knabberte schon beinahe sanft an ihr, bevor ich erneut ihren Mund eroberte. Ich passte den Rhythmus des Kusses an das Reiben meines Unterleibs an ihrem an. Langsam wichen ihre verkrampften Muskeln leiser Kapitulation und sie schmiegte sich an mich.
Als sie schließlich leise stöhnte und mit ihrer Zunge über meine strich, schoss Hitze durch meinen Körper und direkt in meinen Schwanz. Gott, diese Frau schmeckte einfach fantastisch. Ich biss sie unsanft in die Unterlippe bevor ich mich zurückzog. Ihre Augen funkelten mich wütend an, als sie einmal über ihre geschwollenen Lippen leckte.
Grinsend sah ich sie an. „Bei der nächsten frechen Antwort werde ich es nicht bei einem Kuss belassen.“

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