[Blogroman] Kapitel 9

Kapitel 9
Raphael

Ich starrte die Frau an, die gerade vor dem Clubhaus vorgefahren war. Flammendrotes, welliges Haar. Verführerischen Kurven, die in einer Lederkluft steckten. Ein Grinsen auf ihren roten Lippen. Sie war heiß. Wirklich heiß. Und unerwünscht. In wenigen Minuten erwartete ich die Ankunft von Red Reaper.
Kurz fragte ich mich, was sie hier wollte. Sie sah nicht unbedingt wie die typische Bikerschlampe aus. Aber eigentlich war es mir egal, wieso sie hier war. Sie musste verschwinden.
Ich starrte sie an, als sie von ihrem Motorrad stieg und direkt auf mich zulief. Der Schwung ihrer Hüften lenkte mich für einen Moment ab.
„Du solltest besser verschwinden“, sagte ich, als sie vor mir stehen blieb. Unter dem Helm hatte sie eine Sonnenbrille getragen und so konnte ich nur meinen eigenen mürrischen Gesichtsausdruck in den verspiegelten Gläsern erkennen.
„Wirklich? Und ich dachte, du hättest es eilig?“
Ich kniff die Augen zusammen. „Red Reaper?“
„Die einzig wahre.“
Ich runzelte die Stirn. „Irgendwie hatte ich einen Mann erwartet.“
Die Frau zuckte mit den Schultern. „Das tun die meisten.“
Ich versuchte zu verarbeiten, dass eine eher zierlich wirkende Frau, die verdammt heiß war, auf der illegalen Seite der Gesellschaft als gefährlicher Killer galt, den man anrief, wenn man einen schwierigen Job zu erledigen hatte.
Sie schob sich die Sonnenbrille hoch in die Haare und starrte mich an. „Also?“
Ich machte einen Schritt zur Seite und ließ sie herein. Als sie an mir vorbeiging, betrachtete ich ihr Gesicht von nahem. Zarte Gesichtszüge, volle Lippen und die strahlendsten grünen Augen, die ich je gesehen hatte. Und irgendwie kam sie mir verdammt bekannt vor.
Sie blieb stehen und sah sich um, betrachtete die hohen Wände, die Treppe, die in den ersten Stock führte. Ihr Blick huschte von links nach rechts und schließlich klickte es bei mir. Sie checkte die Fluchtmöglichkeiten und überlegte, von wo potentielle Angreifer kommen könnten.
Ich ging an ihr vorbei und in mein Büro. Sie folgte mir und schloss die Tür hinter sich. Sie wartete, bis ich mich hinter meinen Schreibtisch gesetzt hatte. Erst dann ließ sie sich in einen der Besucherstühle sinken und drehte sich so, dass sie auch die Tür im Blick behalten konnte. Natürlich alles ganz unauffällig, aber ich bemerkte es dennoch. Schließlich verhielt ich mich in fremder Umgebung auch so.
„Also, wofür bin ich hier?“
Ich lehnte mich nach hinten und faltete die Hände vor dem Bauch.
„Ich suche eine Frau.“
Sie grinste. „Ach ja? Du weißt schon, dass du das weitaus günstiger haben kannst als durch mich oder? Ich hab gehört, dafür gibt es sogar Apps.“
Ein Muskel zuckte in meiner Wange. „Das ist nicht das, was ich gemeinte habe.“
„Sag bloß.“ Ihre Mundwinkel zuckten vor unterdrücktem Lachen.
„Sie ist in mein Büro eingebrochen und jetzt möchte ich mich gerne etwas näher mit ihr unterhalten.“
„Klar doch. Irgendwelche Hinweise, wer diese Frau ist?“
Ich schnappte mit die Akte von meinem Schreibtisch und reichte sie ihr. Red Reaper blätterte durch die wenigen Seiten, die ich hatte.
„Hm, du hast ihre DNA und kannst sie nicht selber finden?“ Sie sah mich an und hob spöttisch eine Augenbraue. Ich ballte die Hände zu Fäusten.
„Sie existiert in keiner Datenbank.“
„Klingt, als wäre diese Frau schlauer als du.“
Ich runzelte die Stirn. Diese Stimme. Diese Tonlage. Sie kam mir so verdammt bekannt vor. Aber irgendwie konnte ich den Finger nicht darauf legen. Eine Frau mit ihrem Aussehen und diesen flammendroten Haaren hätte ich bestimmt nicht vergessen.
„Kannst du sie mir jetzt bringen oder nicht?“
Ihre Mundwinkel zuckten schon wieder. Was zum Teufel war denn so amüsant? „Klar. Gib mir ein paar Tage und ich melde mich wieder bei dir.“
Ich nickte und beobachtete wie sich Red Reaper erhob und zur Tür ging. Mein Blick fokussierte sich auf ihren Hintern. Und da klickte es bei mir.
Diesen Knackarsch hatte ich schon einmal gesehen.
Als er aus meinem verdammten Büro geflüchtet war!
Ich sprang von meinem Stuhl auf und zog meine Waffe. Die gleiche Sig Sauer, die die Frau vor mir auf ihrer Flucht fallen gelassen hatte.
„Keine Bewegung“, knurrte ich und sie blieb tatsächlich stehen. „Hände nach oben.“ Langsam nahm sie die Hände hoch, die Akte ließ sie dabei fallen. Mit einem leisen Rascheln segelten die Blätter zu Boden.
„Jetzt dreh dich um“, kommandierte ich.
Als sie mich ansah, erkannte ich auch das Grinsen auf ihren roten Lippen wieder. Sie sah komplett anders aus, als das erste Mal, dass ich sie gesehen hatte. Haar- und Augenfarbe waren anders, die Kleidung auch und die Art, wie sie sich bewegte war ebenfalls anders. Aber ihr Arsch hatte sie verraten.
„Du bist das.“
„Und ich hatte schon gedacht, dass meine Verkleidung gut genug gewesen war, um dich zu täuschen.“
Jetzt erkannte ich auch die Stimme wieder. Dieses raue Kratzen, das heißen Sex versprach. Wie hatte mir das entgehen können?
Ich entsicherte die Waffe und deutete auf einen der Stühle.
„Setzen.“
Noch immer grinsend ließ sich die Frau wieder auf ihren Platz sinken und schlug die Beine übereinander. Ich schnappte mir die Handschellen vom Schreibtisch und stellte mich hinter sie.
„Das schon wieder?“ Sie klang, als würde sie jeden Moment in Gelächter ausbrechen.
„Hände.“
Ich musste für einen Moment die Waffe wegstecken, als ich ihre Hände an den Stuhl fesselte. Diesmal aber beide. Erst als ich sicher war, dass sie nicht wieder so eine Nummer wie in der Nacht der Party abzog, ging ich um sie herum und sah sie mir genauer an. Mit roten Haaren gefiel sie mir wirklich viel besser, als mit blonden. Aber das tat hier nichts zur Sache.
Mit vor der Brust verschränkten Armen beobachtete ich sie. Und sie wirkte nicht im Geringsten so, als wäre ihr diese Situation irgendwie unangenehm. Als hätte ich sie nicht gerade an einen Stuhl gefesselt.
„Warum bist du in mein Büro eingebrochen?“
Sie zuckte mit den Schultern. Die Handschellen klimperten. „Vielleicht war ich einfach nur auf der Suche nach einer neuen Herausforderung?“
Ich schnaubte.
„Wie lautet dein richtiger Name?“
„Jane.“
Ich biss die Zähne aufeinander. Wenn ich noch mehr Zeit in der Nähe dieser Frau verbrachte, würde ich mir wahrscheinlich ein neues Gebiss kaufen müssen.
„Bist du hier, um mich zu töten?“
Sie sah mir direkt in die Augen und lächelte. „Nein.“
Ich konnte nicht genau sagen, woran es lag, aber ich hatte das Gefühl, dass das die erste ehrliche Antwort war, die ich von ihr bekam.
„Du bist Red Reaper.“ Sie nickte. „Also hat man dich wahrscheinlich dafür bezahlt, dass du hier einbrichst.“ Ihr Gesicht zeigte keinerlei Regung. Ich hätte ihr auch vom Wetter erzählen können.
Ich trat näher an sie heran, stützte meine Hände auf den Stuhllehnen ab. Jetzt befanden wir uns in der gleichen Position wie vor ein paar Nächten.
Ihr warmer Atem traf mein Gesicht. Grüne Augen blickten in meine. „Wer hat dich geschickt?“
„Der Weihnachtsmann. Er hat gesagt, du stehst dieses Jahr auf seiner Liste der wirklich unartigen Jungs.“
Ich grinste. „Dir ist klar, dass ich dich nicht gehen lassen werde, bis ich meine Informationen habe, oder?“
Sie blieb völlig ungerührt.
„Ich habe in nächster Zeit nichts Besonderes vor.“ Sie grinste. „Ach, und ich mag gerne ein kleines Bonbon auf meinem Kopfkissen.“
Verwirrt runzelte ich die Stirn und ihr Grinsen wurde breiter.
„Du weißt schon, wo du jetzt mein Hotel bist und so.“
Meine Hände ballten sich zu Fäusten und ich nahm einen tiefen Atemzug, um mich zu beruhigen. Leider sorgte das nur dafür, dass ich ihren Geruch einatmete. Sie roch nach Jasmin und Vanille. Der weibliche Duft stand in Kontrast zu ihrem taffen Auftreten.
Ohne ein weiteres Wort drehte ich mich um und ging zu meinem Schreibtisch. Dort zog ich die unterste Schublade auf und holte die feine, silberne Kette heraus. Sie war gut einen Meter lang und würde dafür sorgen, dass Jane – ich unterdrückte ein Schnauben bei dem Gedanken an ihren falschen Namen – sich nicht zu weit von mir entfernen konnte.
Als ich mich umdrehte, stand sie vor mir. Ohne Handschellen.
Bevor mein Gehirn verarbeiten konnte, was ich gerade vor mir sah, griff sie mich an. Ihr Fuß traf mein Knie und ich stieß ein unwilliges Grunzen aus.
„Verdammt, Frau! Jetzt reicht es aber!“
Mein Geduldsfaden war endgültig gerissen. Bevor sie reagieren konnte, hatte ich sie gepackt und hart gegen die nächste Wand geknallt. Die Luft wurde aus ihren Lungen gepresst und ich sperrte sie mit meinem Körper zwischen mir und der Wand ein. Mit hartem Griff umfasste ich ihr Kinn und drückte meinen Mund auf ihren.
Absolut nichts an diesem Kuss war sanft. Sie versuchte mich zu beißen, was nur dafür sorgte, dass ich mich noch fester an sie presste. Jetzt konnte sie keinen Muskel mehr rühren. Ich zwang ihre Lippen auseinander und stieß meine Zunge in ihren Mund. Als ihr Geschmack und ihr Duft meine Sinne fluteten, sprang mein Schwanz sofort darauf an. Ich war steinhart und rieb mich an ihr.
Ich plünderte ihren Mund, als wäre ich am Verdursten und sie die einzige Wasserquelle auf dieser Welt.
Als ein leises Stöhnen erklang, brauchte mein vernebelter Verstand ein bisschen, bis er verstanden hatte, dass es von Jane kam.
Oder wie ihr verfluchter Name auch immer lautete.
Plötzlich zuckte heißer Schmerz durch meine Lippe und ich unterbrach den Kuss. Warme Flüssigkeit rann über meine Haut. Ich hob eine Hand, sorgte aber dafür, dass ich sie mit meinem Körper noch immer festnagelte.
Ich führte meine Fingerspitzen an meine Unterlippe und als ich sie zurückzog, klebte ein wenig Blut daran. Ich starrte die Frau an.
„Du hast mich gebissen.“
Sie grinste. „Du hast angefangen.“
Mir war vermutlich nicht mehr zu helfen, denn ich erwiderte ihr Grinsen. „Miststück.“
„Arschloch.“
Ich schüttelte den Kopf und schnappte mir eines ihrer Handgelenke. Geistesgegenwärtig wie ich war, hatte ich die Kette während meines Überfalls auf ihren Mund nicht fallen lassen. Daher ließ ich jetzt die Handschelle an ihrem Handgelenk einschnappen. Sie seufzte.
„Schon wieder?“
Ich beachtete sie nicht weiter und legte die Handschelle am anderen Ende der Kette an meinem Handgelenk an. Jetzt sah sie doch ein wenig beunruhigt aus.
„Was wird das hier?“
Ich sah ihr direkt in die Augen und machte einen Schritt zurück. „Ich sorge dafür, dass du mir nicht noch einmal entkommst.“
Sie sah mich mit einem so hasserfüllten Blick an, dass ich leise lachte.
„Willkommen in meiner Welt, Süße.“

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