[Blogroman] Kapitel 7

Kapitel 7
Raphael

„Nichts.“
Ich blickte auf und sah Spades an, der sich mit einem wütenden Gesichtsausdruck in einen der Stühle vor meinem Schreibtisch fallen ließ.
Ich runzelte die Stirn. „Was meinst du mit ‚nichts‘?“
„Mit ‚nichts‘ meine ich rein gar nichts. Keine Geburtsurkunde, keine Sozialversicherungsnummer, kein Schulabschluss, keine Familie. Weniger als nichts. Nicht einmal ein verdammtes Foto im Internet. Die Frau existiert nicht!“
„Das ist unmöglich. Jeder hinterlässt Spuren. Und wir haben ihre DNA!“, knurrte ich. Seit drei Tagen suchten wir jetzt nach ihr.
Ich hatte meine Kontakte spielen lassen und ein paar Drohungen in den Raum geworfen, bis ich schließlich Janes Zimmernummer bekommen hatte. Sie hatte unter dem Namen Jane Smith eingecheckt und ich war mir ziemlich sicher, dass das nicht ihr richtiger Name war.
Ich hatte sie schon an mein Bett gefesselt gesehen, als die Nachricht aus dem Labor kam, dass DNA Rückstände auf der Kleidung gefunden worden waren, die Spades in der Wäscherei aufgespürt hatte. Ich war mir sicher gewesen, dass wir sie in weniger als vierundzwanzig Stunden finden würden. Anscheinend hatte ich mich getäuscht.
„Ich weiß. Ich kann es selber nicht glauben.“ Spades stand auf und ging zu der kleinen Bar neben der Couch, um sich ein großes Glas Whiskey einzuschenken. Er trank es in einem Zug aus und füllte nach. Danach setzte er sich wieder und nahm einen kleineren Schluck.
„Ich habe sogar meinen Kumpel beim FBI angerufen. Aber auch der konnte nichts finden. Sie ist ein verdammter Geist.“
Ich ballte die Hände zu Fäusten. Ich hatte seit dem Zwischenfall in meinem Büro nicht mehr geschlafen. Seit zweiundsiebzig Stunden dachte ich entweder daran, die Frau ohne Namen umzubringen, sie zu ficken oder beides. Es fehlte nicht mehr viel und ich würde durchdrehen.
Ich musste wissen, wonach genau sie in meinem Büro gesucht hatte und ob sie es aus eigenem Antrieb oder für jemand anderen getan hatte.
In meinem Geschäft kam man nicht soweit, wie ich gekommen war, ohne sich ein paar Feinde zu machen. Und ich würde es gerne wissen, wenn aktuell jemand nach meinem Leben trachtete oder versuchte meine Geschäfte zu sabotieren. Aber dafür musste ich diese verdammte Frau finden!
„Wir müssen sie finden“, brachte ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Normalerweise hatte ich immer alles unter Kontrolle. Und ich konnte wirklich nicht damit umgehen, wenn es, wie jetzt, nicht so war.
„Ich weiß.“ Spades leerte sein Glas und stand auf. „Ich such weiter und melde mich, wenn ich was gefunden hab.“
Ich starrte einen Moment lang blind vor mich hin. Dann hatte ich eine Idee. Ich hatte mal Gerüchte gehört, geflüsterte Worte in dunklen Ecken. Es gab jemanden, den man genau für solche Fälle anheuern konnte. Und angeblich hatte diese Person noch nie einen Job versaut. Aber sie war genauso ein Geist, wie die Frau, nach der ich suchte.
Seufzend lehnte ich mich auf meinem Stuhl zurück. Anscheinend müsste ich ein paar alte Freunde kontaktieren und noch mehr Gefallen einfordern.
Aber am Ende, da war ich mir sicher, würde ich die Nummer dieser Person haben. Und kurz danach würde die Frau ohne Namen mir gehören.

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