[Blogroman] Kapitel 6

Kapitel 6
Alexia

Ich rannte die Treppe hinunter, als Zanes donnernde Stimme scheinbar die Wände zum Vibrieren brachte. Einige, noch nicht komatöse Biker, schienen ihn ebenfalls gehört zu haben, denn sie bewegten sich entschlossen auf mich zu. Ich gab Gas, entging gerade so einer Hand, die nach mir griff, sprang auf den Billardtisch und darüber hinweg.
Ich hörte nicht auf zu rennen, bis ich meine Maschine erreicht hatte. Gerade, als ich den Motor gestartet hatte, sah ich, wie die Tür des Clubhauses geöffnet wurde. Zane stand im Türrahmen und in diesem Moment sah er wirklich aus wie Gottes gefürchtetste Waffe – ein Erzengel.
Allerdings plante ich nicht abzuwarten, was passieren würde, wenn er mich erreicht hatte.
Ich ließ den Motor aufheulen und fuhr in die Nacht hinaus. Ein paar wenige Augenblicke war nichts außer dem Geräusch meines Motorrads zu hören, aber dann erhob sich hinter mir ein dunkles Donnergrollen. Die Angels of Death hatten die Jagd aufgenommen.
Ich brachte mein Bike an die Grenzen seiner Belastbarkeit und rauschte die dunkle Straße entlang. Sollte ich bei dieser Geschwindigkeit einen Unfall bauen, wäre ich sofort tot. Allerdings wäre das wohl immer noch gnädiger, als das, was Zane mir antun würde. Er hatte diesen Ausdruck in seinen Augen gehabt, den ich schon so oft gesehen hatte. Mordlust.
Hinter mir donnerten die Bikes des Clubs. Ich musste es nur bis in die Stadt schaffen. Dort fielen die Angels of Death zu sehr auf, als dass sie mich einfach entführen konnten.
Kalter Wind preschte mir ins Gesicht und sorgte dafür, dass sich eine Gänsehaut auf meinem ganzen Körper bildete. Ich war einfach nicht richtig angezogen für eine kleine, nächtliche Spritztour.
Obwohl ich befürchtete, dass ich jeden Moment von Bikern eingekesselt wurde, schaffte ich es tatsächlich bis in die Stadt. Das dunkle Grollen hinter mir ließ nach, löste sich aber nicht völlig auf. Da aber auch ich jetzt meine Geschwindigkeit drosseln musste, konnte ich mich nicht wirklich darüber freuen.
Ich riskierte einen Blick über die Schulter und entdeckte auf Anhieb drei Bikes, die mir auf den Fersen waren. Ich verwettete meinen Hintern darauf, dass Zane einer von ihnen war. Am liebsten wäre ich jetzt spurlos verschwunden. Aber das ging nicht so einfach. Meine Gedanken rasten.
Wie durch ein Wunder schaffte ich es bis zu dem Hotel, in dem ich wohnte. Als ich in die für Gäste reservierte Tiefgarage fuhr, erstarb das Motorengeräusch hinter mir. Ich parkte mein Motorrad in der hintersten Ecke, holte meine Sachen aus dem Sitz und hechtete zum Aufzug. Ich vertraute nicht unbedingt darauf, dass die Hotelsecurity mit Zane fertig wurde.
Als ich schließlich mein Zimmer erreichte, erlaubte ich mir einen tiefen Atemzug, um mich zu sammeln, bevor ich mich an die Arbeit machte.
Ich zog die Perücke und meine Kleidung aus, entfernte die Kontaktlinsen und stopfte alles bis auf die Lederjacke in einen großen Müllbeutel. Ich zog mir weitaus unauffälligere Kleidung an und warf mir die Lederjacke wieder über. Meine Haare band ich zu einem hohen Pferdeschwanz zusammen und setzte mit eine schwarze Cappy auf, die mein Gesicht vor den Überwachungskameras verstecken würde. Danach packte ich den Rest meiner Sachen zusammen und verließ das Zimmer wieder. Den Müllsack warf ich in den Wäscheschacht am Ende des Gangs.
Keine Stunde nach dem Zwischenfall in Zanes Büro checkte ich aus. Die Kreditkarte, die ich benutzte, gehörte zu einem Konto, auf dem gerade genug Geld war um das Hotel zu bezahlen.
Einen Moment stand ich unschlüssig in der Lobby. Ich bewegte mich langsam auf den Ausgang zu, blieb aber wie angewurzelt wieder stehen, als ich die Biker entdeckte, die scheinbar ganz lässig auf der anderer Straßenseite parkten. Ganz vorne stand Zane, mit vor der Brust verschränkten Armen, und ließ suchend den Blick schweifen.
Ich fluchte unterdrückt, drehte mich um und fuhr mit dem Aufzug in die Tiefgarage. Dort hielt sich zum Glück niemand außer mir auf. Jetzt musste ich nur noch das Problem lösen, wie ich mich und mein Bike ungesehen hier raus bekam. Ich sah mich suchend um. Hier musste es doch einen verfluchten zweiten Ausgang geben!
Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der ich jede Sekunde befürchtete, dass Zane mir hier unten Gesellschaft leisten würde, entdeckte ich ein dezentes und ziemlich verstecktes Schild, das einen zweiten Ausgang versprach.
Ich holte mein Motorrad und schob es in die Richtung, in die mich das Schild führte. Es dauerte nicht lange, bis ich schließlich eine dunkle Seitengasse erreichte. Links von mir konnte ich die Hauptstraße entdecken, auf der die Angels auf mich warten würden. Also ging ich nach rechts. Und auch wenn ich mich an ein paar Mülltonnen vorbeiquetschen musste, erreichte ich schließlich eine weitere Querstraße, die es mir erlaubte mein Motorrad wieder zu starten.
Ich stieß einen erleichterten Seufzer aus, als ich niemanden entdeckte, der mir folgte, und fädelte mich in den Verkehr ein.
Ich ärgerte mich darüber, dass sie es geschafft hatten mir bis zum Hotel zu folgen. Wenn Zane gut war, wovon ich leider ausgehen musste, würde er meine Zimmernummer herausfinden können. Und ich hatte keine Zeit mehr gehabt, um das Zimmer zu reinigen. Verfluchte Scheiße!
Und wenn ich ganz viel Pech hatte und Zane gute Kontakte würde er meine entsorgte Kleidung in der Wäscherei finden und DNA Spuren sicherstellen lassen. Nur gut, dass ich in keiner Datenbank existierte.
Ich hatte mal einen Job für ein hohes Tier bei einem Geheimdienst erledigt. Als Bezahlung hatte ich verlangt, dass er mich aus jeder Datenbank der Welt entfernte. Ich benutzte meine wahre Identität sowieso niemals und ich hatte heute genau wie damals großes Interesse daran, dass man mich nicht aufspüren konnte.
Ich verließ die Stadt und fuhr eine Weile ziellos umher. Mein Plan war gründlich in die Hose gegangen. Aus einfach war innerhalb weniger Augenblicke kompliziert geworden. Nicht nur, dass die Unterlagen in Zanes Schreibtisch wenig vielversprechend gewirkt hatten, sondern ich war auch erwischt worden. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, war ich auch noch überwältigt worden und hatte mein Zielobjekt bedrohen müssen, um entkommen zu können.
Und Mr. Luar erwartete Ergebnisse von mir. Also hatte ich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich verschwand oder ich überlegte mir einen neuen Plan und ließ mich diesmal nicht erwischen.
Ich fuhr langsamer, als ich eine Tankstelle entdeckte. Was sollte ich tun?
Einerseits war die Sache mit Zane wirklich ein Spiel mit dem Feuer. Ich war gut, in dem was ich tat. Aber der heutige Abend hatte mir gezeigt, dass Zane es auch war. Inzwischen vermutete ich, dass ich eine Art stillen Alarm ausgelöst hatte. Nur so war es möglich, dass er plötzlich zur Stelle gewesen war, bevor sein Freund bewusstlos werden konnte. Und ich hatte es nicht bemerkt. Es gefiel mir nicht, wenn ich überlistet wurde. Mein Überleben hing davon ab, dass ich schlauer und gerissener war, als alle anderen, mit denen ich zu tun hatte.
Andererseits bot mir Luar wirklich verdammt viel Geld. Und ich mochte Geld. Außerdem war ich noch nie ein Freund vom Aufgeben gewesen.
Ich atmete einmal tief durch. Die Entscheidung war getroffen.
Kurze Zeit später hatte mir der Teenager hinter der Theke der Tankstelle, der gar nicht mehr aufhören konnte auf meine Titten zu starren, von einem netten, gemütlichen Bed & Breakfast erzählt, dass keine fünf Kilometer von hier entfernt war.
Ich beschloss, dass ich mich dort für ein paar Tage einquartieren und mir überlegen würde, was ich als nächstes tun sollte. Außerdem musste ich Luar sagen, dass es länger dauern würde, als erwartet. Auf das Gespräch freute ich mich jetzt schon. Der Typ kotzte mich an.
Ich erreichte das Bed & Breakfast mitten in der Nacht und wartete bis zum frühen Morgen, bevor ich mir ein Zimmer buchte. Ich hatte die restlichen Stunden draußen verbracht, da ich keinen Grund gesehen hatte, die Besitzer zu verunsichern, weil ich mitten in der Nacht auf der Matte stand.
Als ich schließlich in meinem Zimmer auf dem Bett lag, das von einer wirklich hässlichen Tagesdecke mit Blumenmuster bedeckt war, dachte ich darüber nach, was passiert war.
Ich war erwischt worden. Das war mir seit Ewigkeiten nicht mehr passiert. Und ich hatte meinen Job nicht wie geplant erledigt. Das regte mich wirklich auf.
Aber was mich mehr als alles andere ärgerte und, noch schlimmer, sogar verunsicherte, war, dass ich mich von Zane angezogen fühlte. Es war ja nichts falsch daran, dass ich einen gutaussehenden Mann zu schätzen wusste. Und Zane war wirklich heiß. Aber als er sich auf dem Stuhl über mich gebeugt hatte und mir direkt in die Augen gesehen hatte, war ich tatsächlich feucht geworden.
Bei der Erinnerung daran, wie mich seine Körperwärme getroffen hatte, erschauerte ich. Nicht nur, dass Zane gut aussah, nein, er hatte auch noch diese Ausstrahlung, die jede Frau sofort wissen ließ, dass er gefährlich war. Außerdem hatte ich genau gesehen, dass er das Blut auf meinem Hals angesehen und dabei das Messer in seiner Hand fester umklammert hatte. Da war eine Gier in seinem Blick gewesen, die mich atemlos machte. Ich war mir ziemlich sicher, dass Zane im Bett auf die härtere Gangart stand. Bei dem Gedanken daran zog sich mein Unterleib erneut verlangend zusammen.
Stöhnend schloss ich die Augen.
Ich hasste es wirklich, wenn ein Plan schief ging.

Ein Kommentar zu „[Blogroman] Kapitel 6

  1. Huh, jetzt hatte ich die letzte Woche keine Zeit Kapitel 5 zu lesen und konnte heute gleich noch das sechste Kapitel anschließen und muss sagen: Halleluja! Ich habe Alexia ja schon fest in Zanes Händen gesehen. Das war wirklich spannend. Und überraschend, wie sie sich aus der Situation manövriert hat. 🙂

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