Halloween in New Orleans…

Halloween in New Orleans war verrückt.
Halloween in New Orleans mit dem Clan zu feiern war der Wahnsinn.
Denn die Vampire von NOLA waren berühmt-berüchtigt für ihre Party an diesem Tag. Es floss Champagner, Wodka und Blut. Es wurde getanzt, als würde die Welt am Morgen enden und in den dunklen Ecken des Clubs, der sich in dem riesigen Keller der Burg befand, geschahen Dinge, die Hailey sich nicht einmal vorstellen wollte. Sie hatte schon Gerüchte über die Halloweenparty der Vampire gehört. Und bis jetzt hatte sie es immer tunlichst vermieden dort hinzugehen. Aber heute hatte sie keine Wahl. Sie musste dort hingehen.
Sie war die Königin der Vampire.
Und heute würde sie auch so aussehen. Mit einem Grinsen betrachtete ihr Spiegelbild. Sie trug eine Lederimitatleggins, zwölf Zentimeter Overknee Stiefel, eine mit Spitze besetzte Korsage und bis zu den Ellenbogen reichende Spitzenhandschuhe. Alles in schwarz. Ihre Augen waren dunkel geschminkt, ihre Lippen glänzten blutrot und ihre langen Haare fielen ihr wie ein seidiger Umhang über Schultern und Rücken.
Aber das Highlight waren die Fangzähne. Ihr Grinsen wurde breite und enthüllte die falschen Fangzähne, die sie bei einem Spezialisten bekommen hatte. Sie waren beinahe genauso scharf wie Kyriakos‘. Das hatte ihre Zunge bereits feststellen müssen. Mehrmals.
Sie betrat das Wohnzimmer, indem bereits Kyriakos und sein innerer Kreis auf sie warteten. Nur die Zwillinge fehlten noch. Wie immer.
Als sie den Raum betrat, wurde sie sofort von seiner dunklen Macht eingehüllt. Bevor sie auch nur blinzeln konnte, stand Kyriakos hinter ihr. Seine Arme umschlangen ihren Körper und sein Knurren erfüllte ihr Ohr. Der harte Beweis seiner Meinung zu ihrem Outfit drückte sich gegen ihren Po. Sie lächelte. Dabei hatte er das Highlight noch gar nicht gesehen.
Blade pfiff anerkennend.
„Heilige Scheiße, Hailey. So wie du aussiehst, wird Kyriakos heute alle Hände voll zu tun haben, um die Männer von dir fernzuhalten.“
„In der Tat…“ Kyriakos dunkles Flüstern ließ sie erbeben.
Dimitri, der wie immer etwas abseits stand, nickte zustimmen. Schatten verbargen seine Augen, aber die leichte Andeutung eines Grinsens in seinen Mundwinkel sagte ihr, dass er sich über die Vorstellung amüsierte. Seit sie mit ihm arbeitete, hatte sie die harten Kanten seines Schmerzes etwas abschleifen können. Aber dennoch… Sie schüttelte den Kopf. Darüber wollte sie heute Nacht nicht nachdenken.
Ash fuhr sich mit der behandschuhten Hand durch die kurzen, blonden Haare und zwinkerte ihr zu.
„Wo sind die Zwillinge?“, fragte Hailey in die Runde.
„Die feilen wahrscheinlich noch an den letzten Details ihres Kostüms.“
Hailey hob eine Augenbraue. „Sie verkleiden sich?“
Damit wären sie die einzigen aus Kyriakos‘ innerem Kreis. Denn Blade, Ash und Dimitri waren nicht verkleidet. Genauso wenig wie Kyriakos. Nur sie hatte sich das Vergnügen nicht nehmen lassen, sich ihren vampirischen Begleitern diese Nacht etwas anzupassen.
Wie auf Kommando wurde eine Tür geöffnet und Hailey schnappte nach Luft. Kyriakos Hand an ihrer Hüfte packte fester zu. Zwei sehr große, sehr muskulöse Vampire betraten den Raum. Sofort überflutete ihre geballte, sexuelle Energie den gesamten Raum. Blitzartig riss Hailey ihre inneren Schilde hoch. Die Zwillinge taten das nicht mit Absicht. Es lag an der Art wie sie sich bewegten, sprachen und der Blick aus ihren hungrigen Augen… Hailey bekam unwillkürlich eine Gänsehaut. Ihre Anziehung war beinahe unheimlich.
Sie betrachtete ihre leicht gebräunten, muskulösen und sehr nackten Oberkörper und blinzelte. Dann kam ein schallendes Lachen über ihre Lippen und sie warf den Kopf zurück.
„Ist das euer Ernst?“
Die Zwillinge nickten synchron. Sowieso waren beinahe all ihre Bewegungen exakt auf den anderen abgestimmt.
Sie blickte über ihre Schulter Kyriakos an. „Ist das ihr Ernst?“
Der zuckte nur mit der Schulter. „Sie tragen mehr als letztes Jahr.“
Sie machte große Augen. „Und was hatten sie letztes Jahr an?“
Ein Grinsen zuckte um seine Mundwinkel. „Sie sind als Tarzan gegangen.“
Mit aller Macht drängte Hailey die Vorstellung von den teuflischen Zwillingen in nichts als einem ledernen Lendenschurz zurück und betrachtete deren heutiges Outfit. Sie trugen beide die Uniformhose eines Polizisten. Silberne Handschellen hingen daran. Dazu die passende Mützen und verspiegelte Fliegersonnenbrillen. Aber das Highlight ihres Outfits war die Frage, die sie sich jeweils auf den nackten Oberkörper geschrieben hatten: Warst du ein böses Mädchen? Sie war sich sicher, dass die teuflischen Zwillinge ihrem Name heute Nacht wieder alle Ehre machen würde.
„Lasst uns gehen“, meinte Ash in diesem Moment und fügte mit einem vielsagenden Blick auf Blade hinzu: „Die sexuelle Ausstrahlung der Zwillinge macht mich schon ganz heiß.“ Damit rauschte sie aus dem Raum und ein knurrender Blade, der die Zwillinge unnötig heftig anrempelte, folgte ihr. Dimitri und die Brüder gingen ihnen nach.
Kyriakos ergriff ihre Hand und drehte sie zu sich herum. „Du siehst absolut atemberaubend aus, Hailey.“ Er betrachtete eingehend ihren Mund und runzelte leicht die Stirn. Wahrscheinlich war ihm bereits aufgefallen, dass dort etwas anders war als sonst.
„Danke.“
„Aber Blade hat recht. Ich werde heute Nacht bestimmt den ein anderen Knochen brechen müssen.“
Sie rollte mit den Augen. Als wäre irgendeiner der handverlesenen Gäste unten im Club blöd genug sie anzumachen.
„Wir sollten den anderen lieber nach unten folgen. Ich will unter keinen Umständen verpassen, wie sämtliche weiblichen Gäste reihenweise in Ohnmacht fallen, wenn die Zwillinge den Raum betreten.“ Sie grinste, hielt die Lippen aber geschlossen.
Kyriakos schnaubte und seine Arme legten sich um sie, seine Hände ruhten auf ihrer Hüfte. „Dann lass uns besser gehen.“
Sie legte ihm eine Hand auf die Brust. „Einen Moment noch.“
Ihr Vampir blickte sie abwartend an.
„Ich will dir zuerst noch das Highlight meines Kostüms zeigen.“
Sein Gesichtsausdruck bekam etwas Verzweifeltes. „Heißt das, da ist noch mehr?“ Für einen Moment macht er den Eindruck, dass er noch mehr nicht vertragen könnte.
Sie nickte und öffnete langsam die Lippen. Kyriakos‘ Blick fokussierte sich auf ihren Mund. Ihre Zunge schnellte hervor und streichelte vorsichtig über die verdammt echt wirkenden Fangzähne in ihrem Oberkiefer. Seine Hände verkrampften sich auf ihrer Hüfte und sie wurde ruckartig an seinen stahlharten Körper gezogen. Der rote Ring um seine Pupille verdoppelte seine Größe und verschluckte die Iriden beinahe vollständig. Ein leidenschaftliches Knurren entrang sich seiner Kehle und ließ ihren Körper vibrieren. Vertraute Hitze durchflutete sie.
Aber sie war noch nicht fertig. Mit einer schnellen Bewegung ritzte sie sich die Zunge an den scharfen Spitzen der Fangzähne auf. Sie schmeckte ihr eigenes Blut. Die Atmosphäre im Raum veränderte sich. Kyriakos‘ dunkle Signatur füllte sie bis in den letzten Winkel ihrer Seele aus. Sie spürte seinen Hunger. Die Bestie in ihm riss an ihren Ketten.
„Heute Nacht werde ich diejenige sein, die zubeißt.“
Binnen eines Wimpernschlags hatte er ihren Mund erobert. Er saugte an ihrer Zunge und sie konnte, dank ihrer Verbindung spüren, wie sehr er den Geschmack ihres Blutes genoss. Als Gegenleistung biss sie ihn mit ihrem neu erlangten Accessoire und der erdige Geschmack seines Blutes erfüllte ihren Mund.
Kyriakos riss sich von ihren Lippen los. Seine Atmung ging heftig. Seine Augen waren glasig vor Lust.
„Du spielst ein gefährliches Spiel.“
„Ich weiß.“ Sie grinste. „Sollen wir jetzt zur Party gehen?“
Kyriakos starrte wieder ihre Fangzähne an. Seine Entscheidung dauerte keine Sekunde. „Vergiss die Party.“
Damit hob er sie hoch, warf sie über seine Schulter und trat auf den großen Balkon. Kalte Nachtluft strich über ihre Haut und fuhr ihr in die Haare. Kyriakos muskulöser Oberarm hielt ihre Beine umfangen. Es gab keine Vorwarnung. Keine Anspannung seiner Muskeln. Nichts, was sie gewarnt hätte. In einem Moment standen sie noch auf dem Balkon. Im nächsten stürzten sie durch die Luft auf den Boden zu.
Hailey schrie erstick auf.
Aber natürlich federte Kyriakos ihren Fall ab und raste danach durch den Wald auf sein Ziel zu. Sein wahres Zuhause. Die kleine Hütte tief im Territorium der Vampire. Haileys Körper kribbelte vor Erwartung.
Dann würde sie halt nächstes Jahr das erste Mal auf die Halloweenparty der Vampire gehen…

Ein Kommentar zu „Halloween in New Orleans…

  1. Habe diesen kleinen Rückblick gerade erst entdeckt, aber finde es total toll nochmal etwas von Kyriakos und Hailey zu lesen. Es ist auch schön, dass man mehr über ihr Leben miteinander erfährt. Vielen Dank dafür. 🙂 😀

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